Was ist eigentlich Horsemanship?

 

Seit einigen Jahren hört man in der Reiterszene immer wieder den Begriff „Horsemanship“. Innerhalb der Westernreiterwelt steht er für eine Tunierdisziplin, in der es um besonders „schöne“ Reiterei geht, einen korrekten Sitz und eine fein abgestimmte Hilfengebung. Für Pferdemenschen aus Amerika steht er schon seit vielen Jahren für eine besondere Art mit Pferden umzugehen, die Art der „Pferdeflüsterer“.  Besonders populär wurde der Begriff allerdings durch das Trainingskonzept von dem Amerikaner Pat Parelli, mit dem Titel Parelli Natural Horsemanship. Es beinhaltet methodische Lösungswege in Form der „Seven Games“, die dem Menschen zu einer besseren Partnerschaft und mehr Verständnis dem Pferd gegenüber verhelfen sollen. Außerdem gibt es Ideen, wie man zum Leader, zum Führer für sein Pferd wird. Mit Monty Roberts war er somit einer der ersten Trainer, die den Begriff „Horsemanhip“ prägten. Danach folgten viele weitere, wie z. B. Gawani Pony Boy, Dr. Aguilar Alfonso, Marc Rashid, nur um einige Namen zu nennen ohne eine Wertung. Auf einmal sah man auf sämtlichen Pferdemessen und Veranstaltungen Reiter, die mit ihren Pferden ohne Zaumzeug und ohne Sattel spektakuläre Manöver vollführten, Bodenarbeit mit dem Leitseil und ohne. Pferde, die auf Fingerzeig in den Hänger traben, oder rückwärts weichen, sich hinlegten und alles scheinbar ohne Zwang. Ist das vielleicht mit Horsemanship gemeint? Knotenhalfter ersetzten die Trense und Carrotsticks waren dazu bestimmt die vier Phasen des  Drucks effektiv umzusetzen. Konventionellen Reitern ist die Bewegung Horsemanship wahrscheinlich sehr suspekt. Schließlich bekommt man als Laie vielleicht die Idee, dass eine solide Ausbildung, die dem Wohle des Pferdes zuliebe über

Jahre hinweg wachsen sollte durch irgendwelche „Zirkustricks“ in kürzester Zeit realisierbar sei. Die „Gurus“ schießen wie die Pilze aus dem Boden und vermarkten auch ihr Equipment dabei nicht schlecht. Grundsätze der klassischen Reiterei, die der physischen Gesundheit des Pferdes dienen, werden umgeworfen. Das muss zum Teil sehr unseriös wirken.  Die Frage ist allerdings, ob das was von Horsemanship nach außen scheint, dem entspricht, was seine Essenz ist oder sein sollte. Es gibt Menschen die diese angeblich so pferdefreundlichen Methoden nutzen, um möglichst schnell das Pferd gefügig zu machen, um noch mehr Leistung von ihm zu erhalten. Hier wird man Pferde mit „toten“ Augen sehen und so genanntem „Kadavergehorsam“. Pferde, die aufs kleinste Signal reagieren, aber alles mit angelegten Ohren ausführen. Es wirkt alles sehr leicht, aber ob das mit der Idee des partnerschaftlichen Umgangs mit dem Pferd vereinbar ist, ist allerdings fraglich.  Vielmehr sollte Horsemanship die innere Einstellung jeder Reitweise bilden, nämlich verantwortungsvoll und möglichst sozial mit dem Partner Pferd umzugehen. Was das bedeutet, kann man in den ethischen Grundsätzen nachlesen. Jeder Trainer, der im Sinne der Pferde handelt und dabei die Bedürfnisse der Pferde achtet, praktiziert Horsemanship. Seit Menschen mit Pferden eine gemeinsame Geschichte haben, gab es immer "besondere Menschen", die auch mit schwierigeren Pferden mühelos zurecht kamen. Man denke an die Geschichte von Alexander dem Großen und seinem Hengst Bukephalos. Diese Menschen hatten die Gabe, sich besonders gut in Pferde hineinfühlen zu können, die Dinge aus ihrer Perspektive wahrzunehmen. Sie nahmen die Körpersprache der Pferde bewusst war und nutzten ihre Erkenntnisse, um selbst mit den Pferden zu kommunizieren. Außerdem zeichneten sie sich durch Führungsqualitäten aus, wie z. Bsp. Klarheit, Konsequenz, Durchsetzungsvermögen und Präsenz.  Führungsqualitäten sind bis zu einem gewissen Grad erlernbar. Dafür liefern viele der "Horsemanship"-Konzepte Ideen und Methoden.  Es ist eine ganz besondere Freiheit, sich nicht auf eines dieser Konzepte festlegen zu müssen, sondern sich inspirieren zu lassen und sein eigenes Horsemanship zu entwickeln. Das hat den Vorteil, dass man immer authentisch bleibt, seine eigenen Prinzipien achtet.

Meine Idee des Horsemanships nach einigen Jahren des Studiums verschiedener Konzepte in konventionellen und alternativen Bereichen ist folgende: Horsemanship ist keine eigene Reitweise, kein eigener Bereich in der Reiterei. Horsemanship ist eine gute Philosophie, die jedem Umgang mit dem Pferd und jeder Reitweise zugrunde liegen sollte. Eine Sicht der Dinge, die immer offen ist, sich selbst zu reflektieren und wenn es Sinn macht, Dinge zu ändern. Pferde spiegeln uns und es ist nicht immer leicht, das zu akzeptieren, was wir da im Spiegelbild wahrnehmen.  Horsemanship, eine einfache Wahrheit, die auf Partnerschaft, Gleichberechtigung, Vertrauen und gegenseitigem Respekt beruht. Techniken, die die natürlichen Reaktionsweisen des Pferdes als Vorbild haben und für das Pferd dadurch klar und sinnvoll sind. Und letztendlich als finales Element: DAS GEFÜHL. Gefühl für den richtigen Zeitpunkt. Für die angemessene Form und Dosis von Druck oder Energie. Körpergefühl. Ein Gefühl für Grenzen. Und nicht zuletzt…Mitgefühl.

 

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